Palaver
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Von der Bürde des Nichtwissens

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as wird ein kurzer Artikel. Ich habe nämlich – zumindest inhaltlich – nichts zu sagen zum Flugzeugunglück vom vergangenen Dienstag. Wenn ich mit dieser Erkenntnis doch nur nicht so alleine wäre.

Wenn Menschenleben gewaltsam beendet werden, ist das schlimm. Es spielt keine Rolle, wo und wie es passiert – die Umstände haben lediglich einen Einfluss darauf, wie nah es uns geht. Je ähnlicher uns Betroffene und ihre Lebenssituationen sind, je näher ein Ereignis räumlich bei uns stattfindet, desto mehr involviert es uns emotional.

Worte gegen den inneren Druck

Wenn ich nun sage, dass ich mit tiefem Mitgefühl an die Verstorbenen und ihre Angehörigen denke, dann ist das wahr. Obwohl sie das nicht erfahren werden und es ihnen nicht hilft, erleichtert es viele Menschen, wenn sie diesen Gefühlen Ausdruck verleihen können. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Andere suchen ihr Heil in empörten Forderungen: Mehr Sicherheit! Mehr Vorschriften! Alles anders! Das darf nicht passieren! Nie wieder! Und vor allem: Volle Transparenz! Sofort! Wo das nicht gegeben ist – also erst mal überall, solange noch untersucht wird – darf drauflos gemutmasst werden. Spekulationen werden, bei Licht betrachtet, mit der x-fachen Wiederholung nicht wahrer. In der öffentlichen Wahrnehmung allerdings häufig schon.

Was nicht sein darf, kann nicht sein

Manche meinen, das alles sei ein notwendiges Ventil für die Ohnmacht, die einen trifft, wenn schlimme Dinge einem nahe gehen. Ich persönlich glaube, es ist das Symptom eines anderen Problems: In einer Gesellschaft, in der Wissen jederzeit verfügbar oder zumindest in mittelbarer Reichweite ist, scheint es geradezu undenkbar zu sein, etwas nicht wissen zu können.

Das Streben nach Wissen, nach Gewissheit, ist ein Teil der menschlichen Natur. Nicht aushalten zu wollen – zu können – dass es auf manche Fragen keine Antwort gibt, scheint mir hingegen eine Zivilisationskrankheit zu sein. Ich würde mir wünschen, dass man das Fragen fürs Erste denen überliesse, die ein Recht auf Aufklärung haben: Den Angehörigen der Opfer.

Für uns andere wäre es ein guter Moment, eine kleine Weile still zu sein.

 

Bild: Unsplash / Jay Mantri

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