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Oscars 2015: Die Filmliste

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eute Abend werden in Los Angeles die Oscars verliehen. Man muss wohl nicht unbedingt aufbleiben, um sich das anzuschauen. Kann man aber. Und ich mach’s auch dieses Jahr wieder.

Wenn ich sage «die Filmliste» heisst das natürlich «meine Filmliste». Sie basiert allerdings im Kern auf dieser Liste hier, welche die Kollegen von vox.com freundlicherweise vorselektioniert haben. «Still Alice» wurde durch «Foxcatcher» ersetzt, weil ersterer erst noch anläuft und ich Steve Carell, der für eine Auszeichnung nominiert ist, vor der Verleihung gesehen haben wollte. Und für «Ida» hat’s leider nicht mehr gereicht, zumal der nirgends gespielt wurde in den letzten paar Wochen.

Disclaimer: Ich habe kein spezielles Fachwissen über Schauspielerei und Film, ich gucke mir das alles bloss gerne an. Das heisst: Meine Vermutungen über etwaige Gewinner sind natürlich keine wirklichen Tipps, sondern mehr… Wünsche. Aber das reicht ja auch.

The Grand Budapest Hotel

Den habe ich gesehen, als er rauskam, also wohl vor einem knappen Jahr. Das macht es ziemlich schwierig, ein vergleichbares Statement dazu abzugeben, denn alle anderen sah ich erst in den vergangenen Wochen. Was ich aber noch weiss: Ich mochte die Art, wie diese irrwitzige Geschichte erzählt wurde. Ich mochte Ralph Fiennes. Und das ganze sonderbare Drumherum. Irgendwie ist der Film ein bisschen zu schräg, um für neun Oscars nominiert zu sein und gerade deshalb würde es mich sehr freuen, wenn der eine oder andere klappt.

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, bestes Szenenbild, beste Kamera, bestes Kostümdesign, bester Schnitt, bestes Make-up und beste Frisuren, beste Filmmusik

Ich hoffe auf: Bestes Kostümdesign, bestes Szenenbild

Hat bekommen: Bestes Kostümdesign, beste Maske und beste Frisuren, bestes Szenenbild, beste Filmmusik

The Imitation Game

Benedict Cumberbatch sollte einen Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller kriegen, wird er aber nicht (ich komme darauf zurück). Diese Liste umfasst einige Biopics und die Geschichte von Alan Turing war gemeinsam mit «Selma» die, die mich am meisten gepackt hat. Es ist keine klassische Heldengeschichte oder wenigstens eine mit Dellen, und ich mochte das. Bis vor ein paar Tagen war das mein Favorit für den Besten Film – nachdem ich Whiplash gesehen habe fürchte ich, es wird nicht reichen. Schade!

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch, bestes Szenenbild, bester Schnitt, beste Filmmusik

Ich hoffe auf: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch

Hat bekommen: Bestes adaptiertes Drehbuch

The Theory Of Everything

Jemand in meiner Timeline (ich habe leider vergessen, wer es war) schrieb dazu: Inspiration porn.* Und das stimmt, man ist natürlich sehr in diesem «was für ein Genie in diesem wahnsinnig kranken Körper»-Ding drin, zumal Stephen Hawking für die meisten von uns sowieso ein Begriff ist. Ganz ungeachtet dessen allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwer ausser Eddie Redmayne den Oscar für den besten Hauptdarsteller nach Hause tragen kann. Darum – siehe oben – kriegt ihn Cumberbatch nicht und – siehe unten – auch nicht Michael Keaton, der ihn ebenfalls verdient hätte, wenn ihr mich fragt.

Nominiert für: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Filmmusik

Ich hoffe auf: Bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, beste Filmmusik

Hat bekommen: Bester Hauptdarsteller, und absolut verdient!

* wer gerne noch wissen wollte, was mit inspiration porn gemeint ist:
I am not your inspiration, thank you very much

Wild

Schon wieder eine wahre Geschichte, aber keine prominente/berühmte Vorlage diesmal. Cheryl Strayed hat einiges zu vergessen, als sie nach dem Tod ihrer Mutter vom rechten Weg abkommt. Und um sich an sich selbst zu erinnern, entschliesst sie sich, 1500 Kilometer durch die Wildnis zu wandern, nämlich den Pacific Crest Trail. Der Film spielt vor grossartiger Kulisse und nimmt einen durchaus mit auf diese Reise. Mir war’s ein bisschen zuviel Moral. Aber das muss ja nichts heissen.

Nominiert für: Beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin

Ich hoffe auf: Beste Hauptdarstellerin vielleicht (Ja, das steht bei Theory Of Everything auch. Ich bin unentschieden.)

Bonus: Wenn ich mich nicht täusche, der einzige Film auf der Liste, der den Bechdel-Test besteht. (Korrigendum: Wurde auf den letzten Metern eingeholt von «Selma». Oh, und «Boyhood» natürlich.)

Hat bekommen: Nichts. Ich hätt’s unter dem Strich beiden gegönnt, sie waren echt gut.

Birdman

Grosses Kino für Menschen, die einen Hang zum Grotesken haben. Den hätte ich mir ohne die Liste vermutlich nicht angeschaut und ich glaube, das liegt daran, dass ich irgendwie keine Meinung zu Michael Keaton hatte. Jetzt habe ich eine und die sagt: Auch hier hätte ein Oscar für den besten Hauptdarsteller drin liegen können, was wohl aus Gründen – wir sprachen ja bereits darüber – nicht passieren wird. Aber das Werk hat andere Qualitäten und ich hoffe sehr, dass sich das auszahlen wird.

Der Wermutstropfen: Das Ende. Meine Güte, entscheidet euch doch für ein Ende, um Himmels Willen! Im Idealfall ginge man also drei oder 5 Minuten vor Filmende aus dem Kino (je nachdem, wie dramatisch man es gerne hätte) und gut wär’s.

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes Originaldrehbuch, beste Kamera, bester Ton, bester Tonschnitt

Ich hoffe auf: Beste Nebendarstellerin, beste Kamera (aber hallo!),

Hat bekommen: Beste Kamera, bestes Originaldrehbuch, beste Regie, bester Film

Gone Girl

War ja schon lang vorbei im Kino, aber gab’s als Stream. Angeblich soll der Film hinter dem Buch abfallen und ich kann mir das durchaus vorstellen. Rosamunde Pike soll für ihre Rolle einen Award kriegen, findet die Academy. Ich weiss nicht recht. Sie war gut. Aber die wirklich starke Rolle im Film ist das originale Drehbuch. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Rest da nicht so richtig hinerher kommt.

Nominiert für: Beste Hauptdarstellerin

Ich hoffe auf: Nichts. Ich bin nicht überzeugt.

Hat bekommen: Nüx. Sag ich doch.

Whiplash

Eins vorneweg: Wir sprechen gerade über ein Meisterwerk. Sonst kann man leider gar nicht so viel über Whiplash sagen, ohne dass es unweigerlich in Spoilern endet, und gerade das wäre fatal. Denn der Film ist genauso unberechenbar wie J.K. Simmons in der Rolle des Dirigenten Terence Fletcher. Whiplash macht es einem nicht einfach, und genau das macht ihn aus. Ich will Simmons dafür einen Oscar gewinnen sehen und ich fürchte ausserdem, damit ist Imitation Game aus demselbingen für den besten Film.

Es wurde übrigens viel darüber geschrieben, dass Whiplash das Mobbing und die Repressalien von Terence Fletcher gegenüber seiner Studenten rechtfertige oder verherrliche. Ich konnte das nicht erkennen. Bloss weil da kein grosser Leuchtpfeil mit der Aufschrift «Don’t try this at home» eingeblendet wurde? Ich glaube nicht, dass das Kino einem das Denken abnehmen sollte.

Nominiert für: Bester Film, bester Nebendarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch,  bester Schnitt, bester Ton

Ich hoffe auf: Bester Film, bester Nebendarsteller!, bester Ton, bester Schnitt

Hat bekommen: Bester Nebendarsteller, ich sag’s doch!, bester Ton, bester Schnitt

Foxcatcher

In völliger Unkenntnis der Rahmenhandlung habe ich mich in dieses Kino gesetzt und ich glaube, das war die beste Voraussetzung für diesen Film. Man macht sich ja immer ein Konzept, wenn man weiss, wo die Reise hingeht – bei Foxcatcher konnte ich das nicht, also liess ich mich hineinziehen in die beklemmende, kleine Welt von Mark Schultz, der aus heiterem Himmel ein Angebot erhält, das zu gut aussieht, um wahr zu sein – und daraufhin in einer Welt landet, in der kaum etwas so ist, wie es scheint.

Wer ins Kino geht, um sich wohl zu fühlen, sollte einen weiten Bogen um Foxcatcher machen. Obwohl man schon früh grundsätzlich weiss, wo das alles wohl ungefähr hinführen wird, sitzt man über weite Strecken des Films wie auf Nadeln. Die Inszenierung weist einem zwar den Weg, aber sie streut viel Schatten – man weiss nie so recht, hinter welcher Ecke das Drama am Ende lauert.

Nominiert für: Beste Regie, bester Hauptdarsteller, bester Nebendarsteller, bestes Originaldrehbuch, bestes Make-Up und beste Frisuren

Ich hoffe auf: Beste Regie (gemeinsam mit Imitation Game, ach, ich weiss doch auch nicht mehr), bestes Originaldrehbuch, bestes Make-Up und beste Frisuren

Hat bekommen: Leider nichts. Schade.

Selma

Wer aufgrund der Rolle von Martin Luther King Jr. bei den Selma-Montgomery-Märschen auf grosses Heldenkino hoffte, dürfte hier nicht vollends auf seine Kosten kommen. Obwohl King natürlich eine zentrale Figur im Film darstellt, spielt die eigentliche Hauptrolle der Konflikt um das nicht gewährte Wahlrecht der schwarzen US-Bevölkerung anno 1964. Interessant ist dabei nicht nur die Geschichtsstunde, sondern auch der Einblick in die taktischen und persönlichen Konflikte auf beiden Seiten.

Es lohnt sich, ein oder zwei Taschentücher dabei zu haben. Nicht, weil der Film irgendwie gefühlig aufgemacht wäre, sondern weil einen dieses so offen zur Schau gestellte Unrecht im einen oder anderen Moment ziemlich in die Magengrube trifft. Dass einem Szenen oder Argumente bekannt vorkommen, selbst wenn man jüngeren Jahrgangs ist, macht es nicht besser.

Nominiert für: Bester Film, Bester Song

Ich hoffe auf: Zwangsläufig auf den besten Song, für den besten Film reicht’s mir bei der Konkurrenz nicht. Allerdings hätte ich Ava DuVernay gerne für die Regie nominiert gesehen.

Hat bekommen: Bester Song

Boyhood

Ha ha, das war ja ein guter Witz. Also die Filme sind ja hier chronologisch in der Reihenfolge aufgeführt, in der ich sie gesehen habe; ungefähr nach «The Theory Of Everything» habe ich angefangen zu schreiben. «Boyhood» habe ich mir – unabsichtlich – für den Schluss aufgespart, sprich: Für den Abend vor der Oscar-Nacht. Und ein guter Teil dessen, was ich mir vorher so überlegt hatte, wurde hinfällig.

Boyhood ist kein Spektakel, aber ein richtig, richtig guter Film. Ich wusste natürlich vorher schon, dass das ein 12-Jahres-Projekt war und alles, aber ich hatte keine Vorstellung vom Resultat. Und tja, das war’s für Whiplash mit dem besten Film und leider wohl auch für Emma Stone, und die beste Regie dürfte damit auch vergeben sein.

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt

Ich hoffe auf: Bester Film, beste Regie, beste Nebendarstellerin (obwohl mein Herz immer noch für Emma schlägt), bestes Originaldrehbuch

Hat bekommen: Beste Nebendarstellerin – sehr verdient – und mit ansonsten nichts eindeutig nicht genug. Schade.

 

Bild: Davidlohr Bueso bei flickr (CC BY 2.0)

 

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