Palaver
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ZTD // Adieu

Was für jeden hier – ausser für mich vermutlich – schon länger offensichtlich war, ist jetzt offiziell: Zen To Done und ich, wir haben uns getrennt. Die Platitüde «Wir haben uns auseinander gelebt» liegt mir auf den Fingerspitzen, aber ich glaube, das stimmt gar nicht. In Wirklichkeit waren wir schon auseinander, bevor wir was miteinander angefangen haben.

Das Projekt «ZTD» wird also vorzeitig abgebrochen. Aber warum? Fand ich es einfach blöd?  Nein, das wäre die falsche Schlussfolgerung. Die Sammelgewohnheit zum Beispiel fand und finde ich toll. Obwohl ich sie nicht zu 100% erfüllen kann – immer noch nicht – entlastet sie mich zunehmend von dem ständigen sich-noch-an-irgendwas-erinnern-müssen, womit ich viel zu viel mentale Kapazität zu verschenken neige. «Durcharbeiten» hingegen kommt mir immer wie eine lächerliche Aufforderung vor, denn soviel wusste ich vorher ja auch. Trotzdem hat mich die Beschäftigung mit dem Kapitel auf Ideen gebracht, wie das in Zukunft leichter und zielgerichteter geht als zuvor.

«Planen» und «Handeln» habe ich schon nicht mehr gebloggt, obwohl ich sie noch mehr oder weniger bearbeitet habe. Aber auch hier habe ich festgestellt, dass ich da gar nicht mehr so viel rausziehen konnte. Das wusste ich alles schon und solange die Dinge rund laufen, stellt mich das vor keine grossen Probleme. Dann, wenn die Dinge nicht rund laufen, ist das was anderes – das ist auch genau die Zeit, wenn mir Zen To Done auch nicht mehr helfen kann. Eigentlich sind es nämlich vor allem zwei Dinge, mit denen ich arbeiten muss: Übermässige Beeinflussung von aussen zu regulieren und nicht in unnötige Hektik zu verfallen, also Ruhe bewahren. Das ist mir jetzt klarer. Und ich finde, das ist als Outcome für ein irgendwie gescheitertes Projekt gar nicht mal so übel.

Der Hauptgrund aber für den Abbruch ist der folgende: Da sich die Erkenntnisse in Grenzen halten, verging mir die Lust daran, darüber zu bloggen. Und das führte dazu, dass mir die Lust am Bloggen allgemein verging. Jedes Mal, wenn ich daran dachte, hingen all die ungeschriebenen ZTD-Artikel wie ein Damoklesschwert über mir und führten dazu, dass ich auch sonst nichts mehr schrieb, selbst wenn ich Ideen oder sogar den Bedarf hatte. Und das, habe ich jetzt eingesehen, ist wirklich total blöd.

Deshalb gibt’s hier jetzt wieder total freie Mischkost, alles durcheinander und vorläufig ohne eine konkrete Themenserie. Schreibe ich also ab jetzt wieder jeden Tag? Ich würde gerne, habe aber Zweifel. Und es wird immer Hochs und Tiefs geben. Aber wir lesen uns bestimmt wieder öfter. Ich freue mich.

 

10 Kommentare

  1. Oh, ich hatte nicht mal mitbekommen was du da geplant hattest. Aber unter uns, ich habe mit 37 oder so aufgehört mir irgendein system anzugewöhnen. Die gewonnenen Zeit nutze ich um Dinge zu erledigen was eigentlich ganz gut klappt. Ansonsten finde ich zwanglose Allerleiblogs eigentlich am tollsten, und wenn man dann ab und zu auch noch ein paar Tipps aus deiner Arbeitstätigkeit hier finden würde mir das auch gefallen. Happy Blogging.

    • karin sagt

      Neue Tools im engeren Sinne habe ich auch aufgegeben (schon vor 35 sogar). Ich gucke mir immer noch welche an – eine Art Déformation professionelle – aber glaube nicht mehr daran. Bei dieser Zen To Done-Sache ging’s mir eher so um Prozesse. Aber eben. Ich glaube, ich habe schon meine eigenen, auch wenn’s mir nicht so klar war.

      Na. Hauptsache, ich kann jetzt wieder bloggen. 😉

  2. Gabriele Bryant sagt

    Ich hab mir die Kapitel kurz angeschaut und finde auch, dass man das Meiste als denkender Mensch sowieso irgendwann selbst erkannt und sich mehr oder weniger angewöhnt hat. Auch wenn es manchmal etwas länger braucht: Bei Email bin ich erst dieses Jahr wirklich hundertprozentig konsequent geworden 🙂

  3. ZTD finde ich schon cool, aber ich denke auch, dass man es irgendwann gesehen hat. Obwohl: Vieles weiss man selbst, und doch tut es manchmal gut, das in anderen Worten woanders zu lesen. Was den Blog betrifft: Es heisst ja, man sollte ihn benamsen, irgendwie, oder ihm sonstwie eine Heimat in geben, aber Heimat und Hafen kann man ja auch selbst sein. Und bloggen über das, was einen bewegt. Happy blogging!

  4. Anna_K sagt

    Erfrischend ehrlich 🙂 Ich stecke beim “vertrauenswürdigen System” fest, gebe die Hoffnung jedoch nicht auf. Ich bin einfach eine Chaotin… Die ToDo-Liste gefällt mir und die Ablage funktioniert. gar nicht mal schlecht.

  5. Danke für Deine Beiträge.
    Ich find, da ist nichts “Gescheitert”
    Angefangen hatte ich auch mal mit einem brav-aufgeräumten Schreibtisch, einem entschlackten Laptop, neuen Notizbüchern und super Ideen von blatternet 😉
    Nach einem Jahr war alles anders als geplant – aber irgendwie fühlte sich das gut an und passte zu mir. Und meine Arbeitsgewohnheiten wurden positiv beeinflusst.
    Ich find’, das ist natürlich, oder?

    • karin sagt

      Ja, da hast Du Recht. So ähnlich ist’s jetzt bei mir auch gekommen, glaube ich. Obwohl ich aufgrund Deines Kommentars sofort wieder mal bei Ivan Blatter reinschauen musste. 🙂

  6. karin sagt

    Vielen Dank Euch allen. Wie cool, dass Ihr hier immer noch herkommt, obwohl es so lange nichts neues gab. Ich bin so geschmeichelt!

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