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Parlamentsdienste – Deutsch: Ein Übersetzungsversuch

Amtssprache ist nicht immer einfach zu verstehen. So steht die eigentliche Botschaft der Parlamentsdienste an den Journalisten und Blogger Ronnie Grob wohl auch nicht in, sondern zwischen den Zeilen.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, haben die Parlamentsdienste dem Journalisten Ronnie Grob und seinem Projekt nachbern.ch gestern die Akkreditierung für das Bundeshaus entzogen. Dies, nachdem am Dienstag ein Artikel erschien, der eine unglückliche Form der Nähe zu einzelnen Mitgliedern des Parlaments enthielt und  ehrlich gesagt auf mich stilistisch sogar ein bisschen boshaft wirkte.

Nicht, dass ich letzteres gutheissen würde. Ausserdem habe ich in den letzten Jahren genug Texte von Ronnie Grob gelesen, um zu wissen, dass er auch anders kann. Aber es geht nicht an, die Berichterstattung ohne stichhaltige Gründe bzw. in unüblicher Praxis zu unterbinden. Die Art und Weise der Reaktion ist der Rolle der Parlamentsdienste aus meiner Sicht nicht würdig und, nüt für unguet, ziemlich peinlich. Na, jedenfalls:

Was Herr Stucki von den Parlamentdiensten vielleicht tatsächlich sagen wollte

Sehr geehrter Herr Grob
Hallo Blogger

Leider mussten wir Ihre Akkreditierung zum Parlamentsgebäude sperren und Sie haben ab sofort keinen Zutritt mehr.
Sorry, aber du kommst hier nicht mehr rein.

Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, nachdem Sie die Verhaltensregeln für Medienschaffende im Gebäude (die mit der Bestätigung zugestellt wurden) in grober Art missachtet haben.
Jetzt hast du es also tatsächlich geschafft, dass dir irgendwelche Leute (Moment, haben die eigentlich was mit denen zu tun, die wir in unseren Strategiepapieren immer mit «Bürgerinnen und Bürger» bezeichnen?) deine Arbeit finanzieren. Das ist doch verrückt. Viele von uns waren ja auch mal Journalisten. Mensch, dass wir darauf nicht gekommen sind! Aber item. Wir finden es trotzdem doof. Da könnte ja jeder kommen.

Einerseits sind Fotoaufnahmen von der Presstribüne aus bewilligungspflichtig,
Also eigentlich stört es uns sonst nicht so, wenn jemand einen Schnappschuss macht. Wie ein Kollege von watson gestern schon rausgefunden hat – verflixt!* – sind wir da sonst gar nicht so zimperlich. Und wenn’s uns doch einmal stört, sagen wir zumindest mal kurz Bescheid, bevor wir jemanden vor die Tür stellen. Aber für dich machen wir eine Ausnahme und gleich Nägel mit Köpfen.

* Dafür haben die im Lead einen Punkt vergessen. Ha!

andererseits ist ausdrücklich auf die Vertraulichkeit von Dokumenten auf den Pulten der Ratsmitglieder hingewiesen.
Weil die Sache mit dem Foto aus oben schon erwähnten Gründen ein bisschen dünn ist, haben wir noch einen zweiten Punkt aus den Verhaltensregeln gesucht, den wir dir ankreiden könnten. Dass du bei Frau Galladé glaubs schon etwas zu sehr auf die Person gespielt hast, das ist dummerweise nicht explizit verboten. Aber weisst du, das Parlament ist eben quasi unser Chef, da müssen wir schon reagieren, wenn es jemandem unwohl ist. Selbst wenn du bloss erzählst, was du siehst.

Aber ehrlich jetzt: Hättest du dann nicht wenigstens gleich noch irgendeinen Satz von einem Blatt abschreiben können?! Jetzt müssen wir uns halt mit einer DVD-Hülle begnügen und mit der total unspektakulären Tatsache, dass man mühelos den Sperrcode vom iPhone mitlesen kann, wenn man hinter jemandem sitzt. Weisst du, so wie im Tram und in der Warteschlange am Kinoeingang.

Es geht in keiner Art und Weise an, dass Sie ohne Bewilligung fotografieren und sich mit Kenntnissen über Daten von Ratsmitgliedern – welche Sie auf den Pulten einsehen konnten – in aller Öffentlichkeit brüsten.
Und überhaupt. Was meinst du eigentlich, wer du bist?

Mit freundlichen Grüssen
Geh doch zurück nach Berlin.

 

Bildquelle: parlament.ch, Presseservice

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